Aus der Geschichte Unterensingens

von Dr. Gerhard Hergenröder

Schon die Siedler der Jungsteinzeit, von denen mehrere Wohnplätze nachgewiesen sind, kannten offenbar die günstige Lage Unterensingens: die überwiegend fruchtbaren Böden und das frische Wasser, das mehrere Bachläufe herbeiführen. Darüber hinaus boten die Anhöhen Schutz vor den gefürchteten Hochwassern des Neckars.

Auch in den nachfolgenden Kulturepochen war die Markung besiedelt. Aus der Römerzeit, die in unserem Raum etwa von 85 bis 260 n. Chr. währte, stammt das "Waldhäuser Schloß". Bei ihm handelt es sich um einen römischen Gutshof, der gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts vollständig ausgegraben und von der Reichslimeskommission erforscht wurde. Anschließend deckte man die Mauern wieder mit Erde zu.

Der heutige Ort geht auf eine frühe germanische Gründung zurück. Der Name Ensingen leitet sich vom alamannischen Rufnamen "Anso" ab und bedeutet soviel wie "Siedlung der Sippe Anso". In den frühen schriftlichen Überlieferungen, die nur Ensingen vermerken, sind Unter- und der heutige Nürtinger Stadtteil Oberensingen schwer auseinanderzuhalten. Die erste Nennung erfolgte 1124 durch Abt Sulger von Zwiefalten, der in seiner Chronik von einer Schenkung in "Ensingen" berichtet. 1358 vermerkt eine Urkunde erstmals Unterensingen (Nydern Ensingen).

Unterensingen ist ein altwürttembergisches Dorf, das zusammen mit dem Teckschen Amt Nürtingen an die Grafschaft Württemberg gelangte. Seitdem übten die Grafen von Württemberg – seit 1495 Herzöge und ab 1806 Könige – die Oberherrschaft über den Ort aus. Die Württemberger besaßen den größten Teil des Dorfes und vor allem die Mühle, die größte weit und breit. Dieses Anwesen war eine Bannmühle, das heißt, die Unterensinger waren gezwungen, ihr Korn dort mahlen zu lassen. Die Bedeutung der Mühle reicht allerdings weit über den Ort hinaus. Bis in das vergangene Jahrhundert hinein übten die Müller immer wieder auch das Amt des Schultheißen von Unterensingen aus. Zuletzt war das Matthäus Siegle, dessen Nachfahren als Farbenfabrikanten (BASF) zu einer der reichsten Familien des Landes aufstiegen. Nicht ohne Grund bildet das Mühlrad das traditionelle Wappen der Gemeinde.

Neben Württemberg besaßen vor allem geistliche Besitzer bedeutende Güter, allen voran das Kloster Salem und das Esslinger St. Katharinenspital. 1450 bekam das Kloster Adelberg die Kirche mit dem dazugehörigen Hof von Graf Ulrich von Württemberg, dem Vielgeliebten, übertragen. An den Adelberger Hof erinnert noch heute der große Torbogen oberhalb von Kirche und Friedhof. Einen großen Hof besaß ab 1357 auch Kraft von Lichteneck, der damalige Stadtherr von Wendlingen. Mehrere herausragende Gebäude, wie z. B. der Salemer Hof, heute Esslinger Str. 14, und der Spitalhof (Kirchstr. 15–21), die zu diesen Höfen gehörten, haben sich erhalten und überstanden damit auch die Brandkatastrophe vom 10. und 11. August 1693 weitgehend unbeschädigt. Seinerzeit hatten die Truppen des französischen Generals Melac Unterensingen angezündet.

Die historischen Baukörper prägen das Bild der Gemeinde nach wie vor weitgehend.

Die Oberamtsbeschreibung Nürtingens aus dem Jahr 1848 beschreibt die Unterensinger wie folgt: "Wohlgebildet, ein kräftiger Menschenschlag, arbeitsam und sehr mäßig". Letzteres galt, so wird angefügt, auch für den Branntweingenuss.

Große Bedeutung als Nahrungsquelle besaß bis in unser Jahrhundert hinein der Neckar. Die Fischrechte bis zur Ulrichsbrücke gehörten über viele Generationen hinweg der Fischerfamilie Melchinger. 1792 wurde auf maßgebliches Betreiben von Schultheiß Matthäus Siegle eine große Neckarschlaufe, die fast bis an die heutige Esslinger Straße reichte, teilweise beseitigt. Siegle war es auch, der den Neckarwasen mit Obstbäumen bepflanzen ließ und damit dem Ort eine bedeutende Einnahmequelle eröffnete. 1841 wurde der heutige Neckarlauf völlig neu gegraben. Dadurch erhöhte sich trotz der angelegten Wehre die Flussgeschwindigkeit erheblich und die Fischbestände nahmen ab. Der Altlauf des Neckars wurde zunächst noch beibehalten und erst Jahrzehnte später zugeschüttet.

Der begradigte Neckar war Voraussetzung für den Bau der Eisenbahn. Mit der Strecke Plochingen–Tübingen–Horb wurde 1853 begonnen. Beides machte das Neckartal zu einem bevorzugten Industriestandort. Den ersten Fabrikbau der Umgebung ließ Heinrich Otto ab 1859 in Unterboihingen erstellen. Diesen wollte er zunächst auf Unterensinger Markung errichten und hatte bereits die notwendigen Grundstücke erworben. Unterboihingen bot jedoch die besseren Konditionen und besaß außerdem den Vorzug des Bahnanschlusses. Infolge des neuen Neckarbetts konnte im Bereich des Auchtert-Wasens, ehedem regelmäßig überschwemmtes Gebiet, neues Siedlungsland gewonnen werden. Die Bebauung des Wasens, der von alters her Allmandgrund war – das heißt, gemeinsamer Besitz der Bürgerschaft –, begann nach der Jahrhundertwende und hat sich bis in die Gegenwart fortgesetzt.

Unterensingen heute:

Die Gemeinde Unterensingen hat sich ihre reizvolle Lage erhalten: Ein ganzes Ensemble von Gebäuden aus früherer Zeit prägt das Bild der Gemeinde. Nach wie vor befinden sich Kirche und Friedhof in der historischen Ortsmitte neben dem Rathaus. In der alten Mühle am Neckar wird heute zwar kein Getreide mehr gemahlen, dafür aber Strom aus Wasserkraft gewonnen.

Zu früheren Zeiten stellte der Neckar auch eine Gefahr dar, alljährlich überschwemmte er die Talaue. Zum letzten Mal war das bei dem Jahrhunderthochwasser 1978 der Fall. Es gab den Anstoß zum Bau von Hochwasserdämmen und einem Hochwasserpumpwerk, die seitdem einen umfassenden Hochwasserschutz gewährleisten.

Die 1985 gebaute Ortsumgehungsstraße ermöglicht nicht nur eine bessere Verkehrsanbindung an die A 8 und die B 313, sie entlastet auch den Ort vom Durchgangsverkehr und wertet damit den alten Ortskern auf. Tempo 30 wurde flächendeckend eingeführt.

Unterensingen besitzt ein attraktives Gewerbegebiet. Die ortsansässigen Unternehmen tragen erheblich zur guten Finanzlage der Gemeinde bei und bieten wohnnahe Arbeitsplätze.

Durch die gute finanzielle Ausstattung der Gemeinde konnte eine vorbildliche Infrastruktur geschaffen werden. Unterensingen besitzt ein Grund- und Hauptschulzentrum mit einer Lehrerausbildungswerkstatt. Drei Kindergärten mit insgesamt acht Gruppen sowie die "Verlässliche Grundschule" befinden sich ebenfalls in der Trägerschaft der Gemeinde.

Mit der 1991 fertiggestellten "Neuen Ortsmitte" entstand ein attraktiver Ortskern. Ein KOMM-IN Dienstleistungszentrum mit Einkaufsmarkt und Bürgerbüro, altengerechte Wohnungen, Arztpraxen, eine Apotheke und die Ortsbücherei mit dem Bürgertreff liegen um den modernen Ortsbrunnen verteilt.

Seit Anfang 1989 ist das südungarische Mecseknádasd die Partnergemeinde von Unterensingen.

Die evangelische Kirchengemeinde besitzt seit den 70er Jahren ebenfalls eine Partnerschaft mit der Gemeinde Friemar in Thüringen.

Zusammen mit der Bettwiesenhalle, dem UDEON, der 2005 eingeweihten neuen Sport- und Festhalle, sowie dem Sportgelände stehen optimale Anlagen für die zahlreichen Vereine zur Verfügung.

Die günstige Lage, das ansehnliche Ortsbild und die zahlreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten machen Unterensingen zu einem begehrten Wohn- und Gewerbestandort.